Brainstorming ist nicht immer ideal - Stichwort: „Anchoring“

Brainstorming ist der Standard unter den Kreativitätstechniken. Doch schon oft haben wir darüber gesprochen, dass Brainstorming nicht immer die beste Methode ist. Nun sind neue Studienergebnisse aufgetaucht, die ein Hauptproblem beim Brainstorming identifizieren konnte. Dieses Problem nennt sich „Anchoring“.

 

Was ist Anchoring?
Beim Brainstorming ist das größte Problem, dass die ersten Ideen einen immensen Einfluss auf alle anderen Ideen haben. Erste Wortmeldungen während des Brainstormings können so die gesamte Konversation beherrschen und neue, innovative Gedankengänge im Keim ersticken.
Dies ist aber nicht alles. Das Anchoring hat nämlich noch einen Nachteil. Denn häufig versuchen die lautstärksten Gruppenteilnehmer die ersten Ideen zu präsentieren. Damit sie als besonders clever gelten können, wagen sie sich häufig nicht weit genug in eine abstrakte Richtung vor. Sie bleiben bei sicheren Ideen, die nur eine geringe Chance auf Ablehnung haben. Diese sicheren Lösungen beherrschen nun das Brainstorming und verhindern so die unsicheren Alternativen der Querdenker, die aber häufig die wichtigsten Ideen sind.

 

Brainwriting ist die Antwort
Mit dem Brainwriting hat Paul Paulus, Professor der UT Arlington, nun einen Begriff geprägt, der die Antwort auf das Anchoring-Problem darstellen könnte. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Methode, die sich einfach als „Write First, Talk Second“ beschreiben lässt.
In einer ersten Phase werden bei dieser Methode alle Teilnehmer gebeten, ihre Ideen schriftlich festzuhalten. Dies soll individuell geschehen, damit sich die Teilnehmer nicht gegenseitig beeinflussen können.
In der zweiten Phase folgt dann das klassische Brainstorming, indem alle Teilnehmer als Gruppe ihre Ideen einbringen und diese mit denen der anderen Teilnehmer kombinieren können.

 

Diese Herangehensweise kann das Anchoring weitestgehend ausschalten und sorgt für innovativere Einfälle auf allen Seiten. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass auch introvertierte Teilnehmer durch das Brainwriting mehr Ideen einbringen, von denen schließlich alle profitieren.


Übrigens gibt es Meetingleiter, die Teilnehmer nach der ersten Phase des Brainwritings ihre Ideen komplett und anonym auf eine Wand schreiben lassen, so dass in jedem Fall alle Ideen gehört werden – eine weitere sinnvolle Idee.

 

 

(Bildquelle: Stockphotosecrets.com ID: 03B97146)